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DAN DAVIS
 

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Dan Davis im Interview mit EXTRABREIT
Sänger Kai Havaii zum Thema Musik, Harald Juhnke, Hildegard Knef & den Ausbau des Überwachungsstaates 

Bild oben: Die Band EXTRABREIT, die mit Songs wie "Hurra, Hurra die Schula brennt" oder "Polizisten" große Erfolge feierte, Sänger Kai Havaiii 2.v. rechts (Copyright by Extrabreit).

Die Band EXTRABREIT gehört sicherlich zu den Highlights der deutschen Musikgeschichte und
rockt schon seit der Hochzeit der Neuen Deutschen Welle die Bühnen. Hits wie "Hurra, Hurra die 
Schule brennt" und "Polizisten" sind absolute Klassiker. Im Jahre 1982 erreicht die Gruppe Gold-
status und zieren sogar die Titelseite der "Bravo". Dan Davis im Interview mit Sänger Kai Havaii
über Musik und Überwachungsstaat. 

Sänger Kai Havaii im Interview mit Dan Davis:
"Man weiß, wer wir sind, wo wir sind und wo wir
hin wollen. "Big Brother is watching you" - heute
ist das Realität..."


Rechts: Cover der aktuellen CD "Neues
von Hiob" von EXTRABREIT aus dem 
Jahr 2008.


Dan Davis: Hallo Kai. Schön, dass Du
Zeit für ein Interview gefunden hast. 
Extrabreit rockt ja schon einige Zeit in
der deutschen Musikszene. Ist bei Euch
in absehbarer Zeit ein Nachfolger der 
im Jahr 2008 erschienenen CD "Neues
 von Hiob" geplant?

Kai Havaii: In einer Zeit, in der Musik
aus der Konserve mehr und mehr ihren
Wert verloren hat, muss man es sich erst-
mal leisten können, ein Album zu ma-
chen. Die CD ist als Tonträger ein Aus-
laufmodell und die Kosten einer Studio-
produktion durch Verkäufe wieder ein-
zuspielen, wird immer schwieriger. Die
großen Acts holen das durch Live-Kon-
zerte wieder rein, die deshalb auch im-
mer teurer werden. In unserem Segment
sind wir da zwischen Wand und Tapete. 

Wir müssen uns also sehr genau überlegen, was wir wann und vor allem wie veröffentlichen. Aber es ist auch
keine Frage, dass irgendwann neuer Stoff raus muss - für uns und für das Publikum.

Kai Havaii im Interview mit Dan Davis über
die Zeit der "NDW" ("Neue Deutsche Welle"):
"Der Begriff beschreibt mehr eine Zeit als einen klar umrissenen Stil. Aber es war schon eine erstaunliche - deutsche - Kulturrevolution..."

Dan Davis: Ihr wart ja bereits in der Hochzeit der "Neuen Deutschen Welle" erfolgreich und habt
mit Songs wie "Hurra, Hurra die Schule brennt" Musikgeschichte geschrieben. Was waren in der
damaligen Zeit Deine Heroes in der "NDW" ("Neuen Deutschen Welle")?

Kai Havaii: Ja, ja, die NDW. Der Begriff beschreibt mehr eine Zeit als einen klar umrissenen Stil. Aber es war
schon eine erstaunliche - deutsche - Kulturrevolution. Meine Favoriten waren:  DAF, Trio, Nichts, Abwärts, 
Fehlfarben, Hans-A-Plast, Rheingold, Ideal, Witt.

Links: Der Sänger Kai Havaii von EXTRA-
BREIT mit Harald Juhnke im Jahre 1996. 
Juhnke nahm mit Extrabreit den Song 
"Nichts ist für Immer" auf.

Dan Davis: Was war für Dich damals der 
ausschlaggebende Punkt Musiker zu wer-
den? Was hat Dich hierbei am meisten 
beeinflusst?

Kai Havaii: Ganz klar die Punk-Explosion.
Das hat eine ungeheure "dilettantisch-geniale" 
Energie freigesetzt. Man musste plötzlich kein 
Virtuose an irgendwas sein, um als Musiker 
ernst genommen zu werden - im Gegenteil. 
Man war Teil einer ästhetischen Umwälzung. 
Ohne Punk hätte ich mich wohl nie hinter ein 
Mikrofon gestellt. Und dann passieren die
Dinge einfach...

Dan Davis: Ihr habt damals den meiner Meinung nach großartigen Song "Nichts ist für immer" mit 
Harald Juhnke aufgenommen. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Kai Havaii: Hmm, nach unseren Duetten mit Marianne Rosenberg und Hide Knef waren wir auf der Suche nach 
jemandem, mit dem wir diese Reihe würdig fortsetzen könnten - und da war Harald als eine Art "Glamour Punk" 
genau das richtige. Zu Stefans Songgerüst habe ich dann einen Text geschrieben, der meiner Meinung nach - bei 
allen offensichtlichen Unterschieden - unsere gemeinsame Quintessenz auf den Punkt brachte. Harald hat das 
sofort verstanden und zugesagt. Der Rest ging schnell. 

Sänger Kai Havaii im Interview mit Dan Davis
über Terrorismus:

"Der Terrorismus ist keine Ausgeburt einer
schicken, kleinen Verschwörung, sondern so-
zusagen das giftigste Erbe der jahrhunderte-
langen Bevormundung und Instrumentalisie-
rung des Nahen und Mit
tleren Ostens durch den
Westen. Er ist auch nicht militärisch zu besiegen,
sondern nur politisch und kulturell."


Dan Davis: Wie hast Du das Ende von Harald Juhnke damals aus Deiner Sicht miterlebt. Ich kann mich
an ein Fernsehinterview kurz vor seiner Einweisung in die Anstalt vor seinem Haus erinnern, in dem er
in leicht angetrunkenem Zustand seine Frau als eine Frau mit zwei Gesichtern umschrieb, die ihm
schaden wolle, wenn ich das richtig in Erinnerung habe...

Kai Havaii: "Leicht angetrunken" ist wahrscheinlich untertrieben. Jedenfalls war er zum Schluss ja kaum noch
Herr seiner Sinne. Diese öffentlichen, hilflosen Auftritte waren nicht schön. Juhnke war eine sehr charismatische,
aber auch sehr tragische Figur. Was seine Frau so alles aushalten musste, möchte ich mir nicht ausmalen.

Bild rechts: EXTRABREIT auf der Titel-
seite der BRAVO. Im Jahr 1982 war Extra-
breit die erfolgreichste deutsche Band und 
erreichte Goldstatus mit ihren Plattenver-
käufen.

Dan Davis: Einer meiner Lieblingssongs
von euch ist natürlich der Klassiker "Poli-
zisten". Ohne Frage sind Polizisten ein 
wichtiger Faktor, um in einem Staatsge-
füge eine gewisse Ordnung herzustellen
und beizubehalten, die gewürdigt werden
sollte. Trotzdem auch an Dich die Frage, 
ob Du den ständigen Ausbau des Über-
wachungsstaates und die damit verbun-
denen Problematiken mit gemischten 
Gefühlen betrachtest?

Kai Havaii: Noch haben wir ja keine Ein-
schränkung der Bürgerrechte, aber viel-
leicht braucht man das ja auch nicht, weil
der Staat - zumindest, wenn er will - sowie-
so jeden einzelnen von uns besser kennt als
wir uns selbst: Sexuelle Vorlieben, Krank-
heiten, Kontakte, Kulturgeschmack, poli-
tische Neigungen - all das steckt in den 
elektronischen Daten und in unseren In-
ternet-Aktivitäten. Man weiß, wer wir 
sind, wo wir sind und wo wir hinwollen.
"Big Brother is watching you" - heute ist
das Realität. Wer muss da noch Bürger-
rechte einschränken? 

Und je mehr die Grenzen zwischen privatem und öffentlichem Raum verschwimmen, scheint auch das Gefühl
zu schwinden, dass man sich normalerweise in der Öffentlichkeit anders benimmt als privat. Man outet sich ja 
sowieso schon im Internet, z.B. bei Facebook. Das mögen Jüngere als ganz normal empfinden, mich berührt das 
unangenehm. ... 

Der Terrorismus ist keine Ausgeburt einer schicken, kleinen Verschwörung, sondern sozusagen das giftigste
Erbe der jahrhundertelangen Bevormundung und Instrumentalisierung des Nahen und Mittleren Ostens durch 
den Westen. Er ist auch nicht militärisch zu besiegen, sondern nur politisch und kulturell.

Kai Havaii im Interview mit Dan Davis über
"Big Brother is watching you":
"Weil der Staat - zumindest, wenn er will - 
sowieso jeden einzelnen von uns besser kennt
als wir uns selbst: Sexuelle Vorlieben, Krank-
heiten, Kontakte, Kulturgeschmack, politische Neigungen - all das steckt in den elektronischen Daten und in unseren Internet-Aktivitäten..."

Links: Cover der EXTRABREIT-LP
"Ihre grössten Erfolge" aus dem Jahr
1980. 



Dan Davis: Wie kamt ihr damals auf
die Idee den Song "Für mich soll`s
rote Rosen regnen" aufzunehmen?

Kai Havaii: Stefan hat die Knef-Platte
mit dem Lied zufällig bei seinen Eltern 
entdeckt und war gleich Feuer und 
Flamme: "Das musst du singen, das ist
DER Song für dich." Er rannte offene 
Türen ein, denn ich fand die Knef im-
mer schon außerordentlich. Wir haben's 
aufgenommen und ihr dann geschickt, 
weil wir ihren Segen wollten. Und dann 
wollte sie mitmachen. Klar, sofort, su-
per! Und dann hatten wir eine wirklich
gute und inspirierende Zeit mit ihr. 
Eine sehr coole, starke und gleichzeitig 
sehr zerbrechliche Frau, sehr intelligent, 
sehr witzig, sehr wortmächtig.

Dan Davis: Wie würdest Du eure musikalische Entwicklung über die letzten Jahrzehnte beschreiben? 
Und in welche Richtung wird die Reise gehen?

Kai Havaii: Hm, wir haben ja nun so dies und das probiert und sowieso ein gewisses Spektrum. Aber vielleicht 
fühlen wir uns danach, mal eine ganz neue Richtung einzuschlagen. Noch ist der Geist jedenfalls in der Flasche.

Kai Havaii im Interview mit Dan Davis über
die Gesellschaft im "Big Brother"-Zeitalter:
"Und je mehr die Grenzen zwischen privatem
und öffentlichem Raum verschwimmen, scheint 
auch das Gefühl zu schwinden, dass man sich 
normalerweise in der Öffentlichkeit anders 
benimmt als privat. Man outet sich ja sowieso 
schon im Internet, z.B. bei Facebook. Das mögen 
Jüngere als ganz normal empfinden, mich 
berührt das unangenehm..." 

Dan Davis: Kai, vielen Dank Infos und für Deine Einschätzungen.


Extrabreit - Polizisten


(Copyright by COVER UP! Newsmagazine, 18.01.2010)
(Copyright Bilder: by Extrabreit)

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